Was du über den Ausbilderschein IHK wissen musst
Wer in Deutschland ausbilden möchte, kommt am Ausbilderschein IHK nicht vorbei. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Qualifikation, und warum ist sie so wichtig?
Als angehender Ausbilder stehst du vor vielen Fragen:
- Wie läuft die Prüfung ab?
- Wie bereite ich mich am besten vor?
- Und was kostet das Ganze eigentlich?
In diesem Artikel erfährst du die neun wichtigsten Fakten rund um den Ausbilderschein IHK – kompakt, verständlich und praxisnah erklärt. Egal, ob du den nächsten Karriereschritt planst oder von deinem Arbeitgeber für die Ausbildertätigkeit vorgesehen bist – hier findest du alle relevanten Informationen.
1. Die Grundlage für die Ausbildungsberechtigung
Der sog. Ausbilderschein IHK – offiziell „Nachweis der berufs- und arbeitspädagogischen Eignung“ – ist deine Eintrittskarte in die Welt der beruflichen Ausbildung. Er bestätigt, dass du fachlich und pädagogisch in der Lage bist, junge Menschen auszubilden.
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) legt fest:
Wer ausbilden will, muss persönlich und fachlich geeignet sein.
Die fachliche Eignung umfasst deine beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse.
Die persönliche Eignung bezieht sich auf deine charakterliche Eignung und pädagogischen Fähigkeiten – und genau hier kommt der Ausbilderschein ins Spiel.
Die Ausbildereignungsprüfung wird von den Industrie- und Handelskammern (IHK) oder den Handwerkskammern (HWK) abgenommen. Nach erfolgreichem Bestehen erhältst du den Ausbilderschein, der bundesweit anerkannt ist.
2. Voraussetzungen für den Ausbilderschein IHK
Die gute Nachricht:
Die Hürden für den Erwerb des Ausbilderscheins sind überschaubar.
Im Prinzip kann jeder, der über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium verfügt, den Ausbilderschein erwerben.
Folgende Voraussetzungen solltest du mitbringen:
- Mindestalter von 18 Jahren
- Keine Vorstrafen, die dich für die Ausbildung junger Menschen ungeeignet machen
- Idealerweise Berufserfahrung im jeweiligen Fachgebiet
Es gibt keine formalen Bildungsvoraussetzungen wie einen bestimmten Schulabschluss. Allerdings solltest du bedenken, dass die Prüfung anspruchsvoll ist und gute Deutschkenntnisse voraussetzt.
3. Inhalte und Handlungsfelder der Ausbilderprüfung
Die Ausbilderprüfung deckt vier zentrale Handlungsfelder ab, die alle Aspekte der Ausbildertätigkeit umfassen:
Handlungsfeld 1:
Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
- Vorteile und Nutzen betrieblicher Ausbildung darstellen
- Ausbildungsstrukturen im Betrieb mitgestalten
- Eignung des Betriebs für die Ausbildung feststellen
- Ausbildungspläne entwickeln
Handlungsfeld 2:
Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken
- Ausbildungsberufe für den Betrieb auswählen
- Auswahlverfahren organisieren
- Ausbildungsvertrag abschließen und Eintragung veranlassen
Handlungsfeld 3:
Ausbildung durchführen
- Lernförderliche Bedingungen schaffen
- Ausbildungsmethoden anwenden
- Lern- und Arbeitsaufgaben gestalten
- Mit Konflikten umgehen
Handlungsfeld 4:
Ausbildung abschließen
- Auszubildende auf Prüfungen vorbereiten
- Prüfungsabnahme unterstützen
- Zeugnis erstellen
- Perspektiven aufzeigen
Diese Handlungsfelder bilden die Grundlage sowohl für den vorbereitenden Ausbilderlehrgang als auch für die Prüfung selbst. Sie decken alle wesentlichen Kompetenzen ab, die du als Ausbilder benötigst.
4. Der Prüfungsablauf: Schriftlich und praktisch
Die Ausbildereignungsprüfung besteht aus zwei Teilen:
Die Schriftliche Prüfung:
- Multiple-Choice-Test mit ca. 70 Fragen
- Bearbeitungszeit: 180 Minuten
- Bestehensgrenze: 50% der Gesamtpunktzahl
Die Praktische Prüfung:
- Präsentation oder Durchführung einer Ausbildungssituation (ca. 15 Minuten)
- Anschließendes Fachgespräch (ca. 15 Minuten)
- Gesamtdauer: ca. 30 Minuten
Die praktische Prüfung ist oft der Teil, der Teilnehmenden am meisten Sorgen bereitet. Hier musst du entweder eine Ausbildungssituation präsentieren oder praktisch durchführen. Anschließend folgt ein Fachgespräch, in dem die Prüfer deine Vorgehensweise hinterfragen und dein Verständnis der Ausbildertätigkeit prüfen.
Für die Zulassung zur praktischen Prüfung musst du zunächst die schriftliche Prüfung bestehen. Zwischen beiden Prüfungsteilen können in der Regel ein paar Tage bis einige Wochen liegen.
5. Vorbereitungsmöglichkeiten: Flexibel und individuell
Es gibt verschiedene Wege, sich auf die Ausbilderprüfung vorzubereiten:
Präsenzkurse:
- Klassischer Vorbereitungslehrgang bei Bildungsträgern
- Umfang: typischerweise 80-120 Unterrichtsstunden
- Vorteil: direkter Austausch mit Dozenten und anderen Teilnehmenden
- Nachteil: feste Zeiten, oft nicht mit Vollzeitjob vereinbar
Online-Kurse:
- Flexible Alternative zum Präsenzunterricht
- Lernen im eigenen Tempo und nach eigenem Zeitplan
- Ideal für Berufstätige mit Familie und wenig Zeit
Selbststudium:
- Theoretisch möglich, aber nicht empfehlenswert
- Hoher Eigenorganisationsaufwand
- Keine professionelle Begleitung
Die Wahl der Vorbereitungsmethode sollte zu deinem persönlichen Lerntyp und deiner Lebenssituation passen.
Berufstätige mit Familie profitieren besonders von flexiblen Online-Angeboten, die ein Lernen nach individuellem Zeitplan ermöglichen.

6. Kosten und Zeitaufwand: Eine Investition in deine Zukunft
Die Kosten für den Ausbilderschein IHK setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen:
Vorbereitungskurs:
- Klassische Präsenzkurse: ca. 450-950 Euro
- Einfache Online-Selbstlernkurse: ca. 300-500 Euro
- Qualifizierte Online-Kurse mit zusätzlichen Materialien und persönlicher Betreuung: ca. 500-700 Euro
Prüfungsgebühren:
- Je nach IHK insgesamt: ca. 170-300 Euro
Zeitaufwand:
- Vorbereitungszeit: 2-3 Monate bei regelmäßigem Lernen
- Bei Online-Kursen: flexibel einteilbar, idealerweise 5-10 Stunden pro Woche
Viele Arbeitgeber übernehmen die Kosten für den Ausbilderschein, wenn du als Ausbilder im Unternehmen tätig werden sollst.
Es lohnt sich also, das Gespräch mit deinem Arbeitgeber zu suchen.
7. Gültigkeit und Anerkennung: Ein Leben lang qualifiziert
Eine gute Nachricht: Der Ausbilderschein IHK hat unbegrenzte Gültigkeit. Einmal erworben, musst du ihn nicht erneuern oder auffrischen. Er ist zudem bundesweit anerkannt – egal, ob du ihn bei der IHK München oder der HWK Hamburg erworben hast.
Auch international genießt der deutsche Ausbilderschein IHK ein hohes Ansehen, da die duale Ausbildung in Deutschland weltweit als Vorbild gilt. In einigen EU-Ländern kann der Ausbilderschein IHK darüber hinaus anerkannt werden, wenn du dort als Ausbilder tätig werden möchtest.
Es gibt allerdings Ausnahmen bei der Ausbildereignung:
- In bestimmten Berufen können zusätzliche Qualifikationen erforderlich sein
- In den sog. Freien Berufen (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Apotheker) gelten besondere Regelungen
8. Berufliche Perspektiven mit dem Ausbilderschein IHK
Der Ausbilderschein eröffnet dir vielfältige berufliche Möglichkeiten:
Im Unternehmen:
- Übernahme von Ausbildungsverantwortung
- Oft verbunden mit Gehaltserhöhung oder Beförderung
- Höheres Ansehen im Betrieb
Karrieresprungbrett:
- Einstieg in Personalentwicklung und Weiterbildung
- Grundlage für weitere Qualifikationen (z.B. Fachwirt, Meister, Betriebswirt)
- Möglichkeit zur Selbstständigkeit als freier Ausbilder oder Dozent
Persönliche Entwicklung:
- Verbesserung der eigenen pädagogischen und kommunikativen Fähigkeiten
- Erweiterung des beruflichen Netzwerks
- Vertiefung des eigenen Fachwissens durch die Lehrtätigkeit
➥ Der Ausbilderschein ist also weit mehr als nur ein formales Zertifikat – er kann ein wichtiger Baustein für deine berufliche Weiterentwicklung sein.
9. Moderne Ausbildung: Mehr als nur Fachwissen vermitteln
Die Anforderungen an Ausbilder haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während früher die reine Wissensvermittlung im Vordergrund stand, geht es heute um weit mehr:
Generationenverständnis:
- Generation Z und Alpha bringen neue Erwartungen mit
- Ausbilder müssen Brücken zwischen den Generationen bauen
- Verständnis für digitale Natives entwickeln
Beziehungskompetenz:
- Aufbau einer vertrauensvollen Ausbildungsbeziehung
- Kommunikation auf Augenhöhe
- Coaching und Mentoring statt reiner Anweisung
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse:
- Moderne Ausbilder nutzen Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn lernt
- Emotionale Verknüpfung von Lerninhalten
- Praxisnahes Lernen statt Frontalunterricht
Die Ausbilderprüfung deckt diese modernen Aspekte nur teilweise ab, wirklich gute Ausbilder bilden sich daher kontinuierlich weiter.
Wir als Initiator von „Das Neue Ausbilden“ bieten daher über den reinen Ausbilderschein hinaus Weiterbildungen an, die dich zu einem echten Talentmentor entwickeln!
➞ Mehr Infos bekommst du hier » DAS NEUE AUSBILDEN:
Fazit: Der Ausbilderschein IHK als Startpunkt deiner Ausbilderkarriere
Der Ausbilderschein IHK ist dein Einstieg in eine verantwortungsvolle und erfüllende Tätigkeit als Ausbilder. Er vermittelt dir das Grundwissen und die grundlegenden Kompetenzen, die du für die Ausbildung junger Menschen benötigst.
Die Vorbereitung und Prüfung sind mit etwas Aufwand verbunden, doch die Investition lohnt sich: Du erweiterst nicht nur deine beruflichen Perspektiven, sondern übernimmst auch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe – die Ausbildung der Fachkräfte von morgen.
Besonders für Berufstätige mit eingeschränktem Zeitbudget bieten moderne Online-Kurse mit StoryLearning-Ansatz eine ideale Möglichkeit, sich flexibel und effektiv auf die Ausbilderprüfung vorzubereiten.
Mit der richtigen Vorbereitung steht deinem Erfolg als Ausbilder nichts im Wege!
➞ MEHR INFOS ZU UNSEREM ONLINE- AUSBILDERKURS
Häufige Fragen zum Ausbilderschein IHK
1. Wie lange dauert es, den Ausbilderschein IHK zu machen?
Die Vorbereitungszeit beträgt in der Regel 2-3 Monate bei regelmäßigem Lernen. Bei Online-Kursen kannst du dein Lerntempo selbst bestimmen und die Prüfung entsprechend früher oder später ablegen.
Mehr zu diesem Thema findest du in diesem Beitrag: Ausbilderschein IHK Dauer. Hier erfährst du auch, wie Du die Dauer auf ein Minimum reduzieren kannst.
2. Welche Voraussetzungen gibt es für den Ausbilderschein IHK?
Um den Ausbilderschein IHK zu machen, bzw. an der Ausbilderprüfung teilzunehmen, gibt es praktisch keine Voraussetzungen für den Ausbilderschein. Du musst lediglich die Prüfungsgebühr entrichten und kannst dann zur Prüfung bei deiner zuständigen IHK antreten. Mit dem Bestehen der Ausbilderprüfung erhältst Du deinen Ausbilderschein IHK.
Die Frage, ob Du mit diesem Ausbilderschein IHK dann aber auch wirklich ausbilden darfst, hängt unter anderem von Deiner fachlichen und persönlichen Eignung ab.
Mehr Infos zu diesem Thema findest du hier: ➞ Wer darf ausbilden? Alle Voraussetzungen im Überblick
3. Kann ich die Ausbilderprüfung auch ohne Vorbereitungskurs ablegen?
Ja, das ist theoretisch möglich. Es wird jedoch nicht empfohlen, da die Prüfungsinhalte umfangreich sind und spezifisches Wissen erfordern.
Die Durchfallquote bei Kandidaten ohne Vorbereitungskurs ist deutlich höher.
4. Was kostet der Ausbilderschein IHK?
Die Kosten für den Ausbilderschein IHK setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen. Einerseits musst Du die entsprechende Prüfungsgebühr berücksichtigen, die je nach Kammer unterschiedlich hoch ist (zwischen 170-300 EURO).
Andererseits musst Du – sofern du dich nicht in Eigenstudium vorbereitest, die Kosten für einen entsprechenden Vorbereitungs-Lehrgang berücksichtigen (je nach Kurs ca. 300-950 EURO).
Einige weitere interessante Informationen über die entstehenden Kosten für den Ausbilderschein IHK kannst Du im verlinkten Beitrag nachlesen:
5. Kann ich mit dem Ausbilderschein IHK in jedem Beruf ausbilden?
Ja, sofern Du die jeweilige fachliche Qualifikation für den auszubildenden Beruf nachweisen kannst, qualifiziert der Ausbilderschein IHK dich grundsätzlich zur Ausbildung in jedem Beruf des dualen Ausbildungssystems.
Da der Ausbilderschein IHK der „Nachweis der berufs- und arbeitspädagogischen Eignung“ ist, ist er berufs- und branchenunabhängig.