Langeweile in der Ausbildung – eine unterschätzte Ressource?

Langeweile in der Ausbildung wird üblicherweise als Störfaktor betrachtet. Viele Geschäftsführer, Personaler oder auch Ausbilder vertreten die typische Haltung, dass Langeweile ein Zeichen von schlechter Planung ist. Etwas, das umgehend bekämpft und eliminiert werden muss. Aber was, wenn genau das Gegenteil der Fall ist? Es gibt schließlich durchaus kritische Stimmen, die die These vertreten, dass es der Leerlauf ist, der als treibender Motor für wertvolle Kreativität, Reflexion und Lernlust dient.

In unserem heutigen Blogbeitrag wollen wir genau dieser Betrachtungsweise mal den nötigen Raum geben und der These auf den Grund gehen. Ist Langeweile kein schlechter Zustand, sondern womöglich ein Geschenk? Und falls das der Fall ist: Wie lernst Du als Ausbilder oder angehender Ausbilder, gezielt mentale Freiräume zuzulassen?

Langeweile in der Ausbildung durch Überstrukturierung bekämpfen?

Wer einmal einen typischen Ausbildungsrahmenplan gesehen hat, der weiß, wie penibel viele Ausbildungen heutzutage durchgeplant sind. Von digitalen Lernplattformen über feste Module und automatisierte Tests bis hin zu Präsenzzeiten per Videochat. Alles ist getaktet, getriggert, getrackted. So fühlt sich Ausbildung oft wie ein endloses Abhaken dieser Module an. Das mag zwar effizient sein und dafür sorgen, dass Langeweile in der Ausbildung erst gar nicht aufkommen kann. Aber was ist mit der Zeit dazwischen? Wo ist der Raum, in dem ein Gedanke mal stillstehen darf? Wo sich Assoziationen bilden und die Kreativität frei fließen kann?

Warum keine Langeweile in der Ausbildung gefährlich ist

Wenn Azubis ständig nur Input konsumieren, haben sie keinerlei Zeit, das Gelernte zu verarbeiten. Und genau das ist gefährlich, weil es auch der so wichtigen Reflexion den Raum nimmt. Häufig überfrachten wir den Alltag der jungen Menschen so sehr, dass für ein „Was wäre, wenn?“ kein Platz mehr bleibt. Das ist übrigens auch für die Motivation sehr schädlich. Sicherlich mögen strenge Strukturen kurzfristig Sicherheit geben. Langfristig wirkt Dauerorganisation aber zermürbend und schafft unmotivierte Azubis.

Das soll übrigens nicht implizieren, dass digitales, strukturiertes Lernen schlecht wäre. Es ist aber nun einmal kein Ersatz für Freiräume, die eben auf keinen Fall fehlen dürfen.

Langeweile in der Ausbildung - zu viel Input schadet Azubis
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Kreativität keimt im Leerlauf

Leerlauf ist ein stark negativ besetztes Wort. Es heißt, dass die Person, die Leerlauf hat, nichts zu tun hat, vielleicht sogar unterfordert ist, in jedem Fall aber unproduktiv ist. Dabei ist Leerlauf aus mentaler Sicht nichts anderes als ein Moment ohne festen Plan und ohne Ablenkung, in dem der Geist schweifen kann.

Umso wichtiger ist es, dass Ausbilder verstehen, dass eine Phase des Leerlaufs oder der Langeweile in der Ausbildung kein Nichtstun ist, sondern ein offener Zustand, in dem das Unbewusste Ideen spinnen kann.

Studien aus Psychologie und Kreativitätsforschung zeigen: Die besten Ideen entstehen oft beim Autofahren, Spazierengehen, in der Dusche. Hiervon ist die Rede, wenn der Begriff „Default Mode Network“ fällt. In Innovationslaboren und Design-Thinking-Workshops ist diese Erkenntnis übrigens längst angekommen. Hier werden ganz bewusst

  • gezielte Pausen eingebaut,
  • Ideations-Sessions ohne Agenda abgehalten und
  • „freie Zeit“ eingeplant, in der Teams einfach brainstormen oder gemeinsam spazieren.

Warum? Weil kreative Problemlösung nur funktioniert, wenn Kopf und Herz Raum haben und Leerlauf als etwas Produktives verstanden wird.

Langeweile in der Ausbildung - ein nützliches Werkzeug
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7 Ideen, wie Ausbilder Langeweile in der Ausbildung zulassen können

Du fragst Dich sicher, wie es funktionieren soll, solche mentalen Freiräume auch im Azubi-Alltag zuzulassen. Quasi Phasen, in denen Azubis lernen, selbst Ideen zu entwickeln, eigenverantwortliches Denken zu trainieren und mitgestaltend tätig zu sein.

Hierzu haben wir eine ganze Reihe an Vorschlägen für Dich vorbereitet:

  1. 10 Minuten „Mind-Dump“ am Tagesanfang: Der Azubi schreibt auf, was ihn gerade bewegt oder beschäftigt – IT-Probleme, Ideen, Fragen.
  2. 5-Minuten-Pausen nach komplexen Aufgaben: Bewusst das Smartphone liegen lassen, keine neue Aufgabe starten, einfach schweigen.
  3. „Random Walk“-Bürospaziergänge: Weg vom Arbeitsplatz, Gedanken schweifen lassen. Kein Ziel, kein Handy.
  4. Onboarding-Woche: Ein halber Tag frei für freie Exploration. Beispielsweise darf ein Azubi Dokumentation lesen, Tools ausprobieren, ohne konkrete Aufgabe.
  5. Abfrage „Was hat Dich diese Woche inspiriert?“: Einmal wöchentlich – kein Test, kein Druck. Nur Austausch über Eindrücke und Ideen.
  6. Open-End-Projekte: Aufgaben mit offener Problemstellung vergeben: Beispielsweise: „Verbessere eine unserer Abteilungsroutinen“ – ohne Erfolgskriterien.
  7. 30 Minuten offenes Gespräch zwischendurch: Du setzt Dich mit dem Azubi zusammen, ohne fertige Agenda. Frag nach Eindrücken, Visionen, Unsicherheiten.

Warum sich dieser Aufwand lohnt

Wenn Dein Azubi nach einer Leerlaufphase wieder an ein Thema zurückkommt, hat sich das Gehirn bereits sortiert. Daten zeigen: Leerlauf verbessert späteres Erinnern um das Zwei- bis Vierfache. Einfach durch mentalen Abgleich und Konsolidierung. Dein Lernkonzept profitiert somit durch eine tiefere Lernleistung der Azubis.

Die Langeweile in der Ausbildung fördert aber auch das Selbstvertrauen. Azubis merken: Ich kann auch ohne ständige Anleitung vorankommen. Du hast sie trainiert, zu denken. Und dieser Haltung haftet Motivation an, weil sie nicht fremdbestimmt ist, sondern selbstverantwortet.

Last, but not least, entstehen bahnbrechende Ideen immer genau dann, wenn Du sie nicht direkt erzwingst. Ein Azubi findet eine abwegige Lösung üblicherweise in Momenten des Leerlaufs. Oder er entwickelt beim Kaffeetrinken eine skurrile Idee, aus der sich ein echter Prozessvorteil ergibt. Das ist echtes Innovation-Potenzial.

Langeweile in der Ausbildung - Leerlauf schafft Freiraum
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Wie Du Langeweile in der Ausbildung gegenüber Entscheidern rechtfertigst

Womöglich denkst Du Dir: Das ist ja alles schön und gut, aber schlicht und ergreifend deshalb nicht praktizierbar, weil mein Vorgesetzter / Chef / etc. es nicht akzeptieren würde, dass die Azubis sich langweilen. Anstatt also die besprochenen Vorteile daraus zu erhalten, versorgst Du die Azubis lieber mit irgendwelchen Aufgaben, damit Leerlauf möglichst gut kaschiert wird.

Das muss aber nicht so sein, weshalb wir gerne noch die drei größten Gegenargumente benennen und Dir gleichzeitig zeigen möchten, wie Du darauf reagieren kannst.

1. „Langeweile ist Zeitverschwendung“
=> Ja, allerdings nur, wenn sie dauerhaft ist und keine Reflexion stattfindet. Gezielt eingesetzt ist Leerlauf schließlich ein strukturiertes Tool. Beispielsweise besteht ein Meeting üblicherweise nicht aus einer reinen Präsentation, sondern auch aus einer Debatte. Und Leerlauf ist gewissermaßen auch eine Debatte mit sich selbst und den eigenen Ideen.

2. „Wenn Azubis sich langweilen, verlieren sie den Draht“
=> Nein, das passiert nur, wenn der Leerlauf versteckt ist. Wird er hingegen klar kommuniziert und wird auch das Wann und Warum offen benannt, ist das nicht der Fall. Umso wichtiger ist es, dass Ausbilder aktiv ansprechen, dass dieser Zeitraum bewusst ist und einen Zweck erfüllt.

3. „Im stressigen Alltag ist kein Raum für Langeweile“
=> Zeit ist genau wie Geld eine Ressource, die investiert werden kann. Und im Fall von der angesprochenen Langeweile zahlt sich diese investierte Zeit mehrfach zurück: bessere Ideen, mehr Motivation, weniger Nachfragen, mehr selbstständiges Arbeiten.

Langeweile in der Ausbildung - wichtige Auszeit
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Fazit: Langeweile in der Ausbildung ist kein schlechter Zustand

Im vorliegenden Beitrag haben wir Dir gezeigt, dass Langeweile in der Ausbildung per se nichts Schlechtes ist. Sie ist kein Makel, sondern vielmehr ein mächtiges und vor allem auch unterschätztes Werkzeug. Wer als Ausbilder lernt, seinen Azubis gezielt mentale Freiräume einzuräumen, der fördert Kreativität, stärkt die nachhaltige Motivation und entwickelt Eigenverantwortung. Das erfordert allerdings auch Vertrauen und ein Umdenken in Richtung weniger Kontrolle und mehr Freiheit.

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