Ausbilderwissen: Missverständnisse vermeiden durch sprachliche Achtsamkeit

Missverständnisse zu vermeiden, ist nicht so leicht.

Schließlich gehören zur erfolgreichen Kommunikation immer zwei Menschen. Der Sender der Nachricht, der möglichst klar in Worte fassen muss, was er meint. Und der Empfänger der Nachricht, bei dem die Botschaft auch ankommen muss.

Das kann nicht nur daran scheitern, dass ein rein akustisches Missverständnis vorliegt. Beispielsweise wenn ein ähnlich klingender Begriff verstanden wurde. Scheitern kann Kommunikation auch, wenn die Botschaft nicht explizit genug ist, um adäquat in der Lebensrealität des Adressaten anzukommen. Das ist übrigens immer auch dann sehr häufig der Fall, wenn Lebensrealitäten weit auseinanderliegen. Wie beispielsweise im Fall zwischen Ausbildern und Azubis.

Mit sprachlicher Achtsamkeit und wohl gewählten Worten lassen sich allerdings viele Missverständnisse vermeiden. Genau aus diesem Grund möchte ich in diesem Beitrag ein Auge darauf werfen, wie Sie mit ein paar einfachen Kniffen die Kommunikation in der Ausbildung verbessern können und Missverständnisse vermeiden lernen.

Missverständnisse vermeiden durch konkrete Sprache

Grundsätzlich ist die deutsche Sprache voll von abstrakten Begriffen. Bereits bei rein konkreten Begriffen besteht aber viel Spielraum für Missverständnisse. Nehmen wir beispielsweise an, der Ausbilder will dem Azubi die Farbe des Himmels so genau wie möglich beschreiben, damit der Azubi selbst vor seinem geistigen Auge den exakt gleichen Himmel sieht.

Das setzt sprachlich zunächst einmal nur voraus, dass Ausbilder und Azubi sich unter groben Abstufungen wie „dunkelblau“, „mittelblau“ oder auch „hellblau“ etwas vorstellen können. Denkbar wären aber auch Adjektive wie „türkisblau“, „marineblau“, „königsblau“, „aquamarinblau“ oder „babyblau“. Selbst Farben wie „kupfersulfatblau“ oder „kobaltblau“ sind noch vergleichsweise gängig.

Der Ausbilder könnte außerdem den Blauton selbst mit einem weiteren Adjektiv beschreiben. Beispielsweise „strahlend blau“, „ein warmes blau“ oder auch ein „kaltes blau“.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wirkt „blau“ zunächst wie ein konkreter Begriff, so ist es dennoch eigentlich nur dann möglich, dem Azubi exakt das gleiche Blau zu vermitteln, das Sie sehen, wenn er zufällig exakt diesen speziellen Farbton aus der Blaupalette kennt und richtig zuordnen kann.

Missverständnisse vermeiden - Gehörtes nicht interpretieren
© olly, Fotolia.de

Missverständnisse vermeiden durch überlegte Verbalisierung

In vielen Situationen ist es nicht notwendig, dass der Azubi zur Erfüllung seiner Arbeiten exakt das gleiche sieht, was Sie selbst im Kopf haben. Zumeist reicht eine relativ gute Idee davon. Tatsächlich dreht sich unsere Kommunikation aber eben nicht nur um die „azurblaue Wasserwaage“, die der Azubi aus dem Keller holen soll. Viel häufiger geht es nämlich um abstrakte Begriffe.

Problematisch daran ist, dass jeder Mensch abstrakte Begriffe mit anderen Inhalten füllt, die oft auch eine Summe seiner gesammelten Erfahrung sind. Wer zehn Menschen fragt, was abstrakte Gefühle wie „Liebe“ oder „Trauer“ für sie bedeuten, der erhält unter Garantie mindestens zehn verschiedene Antworten.

Gleiches gilt für Begriffe, die im Berufsalltag geläufiger sind. Wer von seinem Azubi beispielsweise mehr Zuverlässigkeit oder Respekt verlangt, der wirft letztlich mit völlig leeren Worthülsen um sich, die der Azubi selbstständig mit Inhalt füllen muss. Zwar haben Ausbilder und Azubi vermutlich ähnliche Vorstellungen davon, was Zuverlässigkeit oder auch Respekt bedeuten. Deckungsgleich werden ihre Vorstellungen aber nicht sein.

Umso besser lassen sich Missverständnisse vermeiden, indem Sie vom Azubi nicht den abstrakten Begriff einfordern, sondern ihm sagen, was Sie selbst mit dem Begriff verbinden. Anstatt mehr Respekt zu erbitten, wäre es zielführender, von ihm explizit die Veränderung eines bestimmten Verhaltens zu verlangen. Beispielsweise Kolleg*innen immer aussprechen zu lassen und niemandem ins Wort zu fallen. Wie Sie übrigens unangenehme Themen in der Ausbildung ansprechen, habe ich Ihnen erst kürzlich in meinem Blog verraten.

5 weitere Tipps, um Missverständnisse in der Ausbildung zu vermeiden

Nachdem aus dem eben Geschriebenen bereits hervorgegangen sein sollte, wie Missverständnisse üblicherweise entstehen, habe ich nun noch ein paar weitere Tipps dafür, wie Sie Missverständnisse vermeiden.

Den Ersten habe ich Ihnen schon genannt: Möglichst konkret benennen, was Sie meinen, und abstrakte Begriffe vermeiden, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Azubi alleine durch seine andere Lebensrealität etwas völlig anderes damit verbinden.

1. Explizit sprechen

Unsere Sprache ist voll von impliziten Botschaften. Die Frau, die zu ihrem Mann sagt „Mir ist kalt“, könnte explizit gleich mehrere verschiedene Botschaften im Sinn haben. Beispielsweise klare Appelle, bzw. Fragen. Hier eine Reihe davon:

  • Holst Du mir eine Decke?
  • Kannst Du das Fenster zumachen?
  • Machst Du mir eine Wärmeflasche?
  • Kann ich Deine Jacke haben?
  • Drehst Du die Heizung etwas mehr auf?

Oder aber die Botschaft könnte in der Aussage versteckt sein, dass die Frau zuhause im Warmen bleiben und nicht mit nach draußen kommen möchte. Vielleicht will sie auch andeuten, dass sie krank ist. Und last, but not least, könnte sie auch einfach nur das Bedürfnis gehabt haben, ihren Gefühlszustand mit ihrem Mann teilen zu wollen.

Die Interpretation der Aussage obliegt dementsprechend alleine dem Empfänger, wenn wir implizite Nachrichten versenden. Und genau das ist ein häufiger Ausgangspunkt von Missverständnissen. Wer also möchte, dass kein Spielraum für Interpretationen besteht, muss sich explizit ausdrücken. Insbesondere dann, wenn mit dem Gesagten eine Erwartung einer entsprechenden Reaktion einhergeht.

Missverständnisse vermeiden durch klare Kommunikation
© Jeanette Dietl, Fotolia.de

2. Die Kernbotschaft verschriftlichen

Handelt es sich um extrem wichtige Nachrichten, ist es umso wichtiger, die Kernbotschaft nochmals zu verschriftlichen. Beispielsweise über ein Handout oder eine kurze E-Mail oder anderweitige digitale Nachricht.

Der Vorteil im geschriebenen Wort liegt schließlich auch darin, dass der Empfänger die möglichst explizite Nachricht mehrfach nachlesen kann.

3. Rückmeldung einholen

Ein dritter hilfreicher Punkt, um Missverständnisse zu vermeiden, ist das Einholen von Rückmeldungen. Nachdem Sie einem Azubi eine Aufgabe erklärt und zugewiesen haben, könnten Sie ihn beispielsweise darum bitten, mit eigenen Worten wiederzugeben, was Sie von ihm möchten. Das mag im ersten Moment zwar albern oder sogar kindisch wirken. Tatsächlich stellen Sie mit dieser einfachen Übung aber umgehend fest, ob die Kernbotschaft angekommen ist oder nicht.

4. Zu Rückfragen ermutigen

Wichtig ist auch, dass der Ausbilder nicht etwa mit Sätzen wie „Habe ich mich klar genug ausgedrückt?“ schließt, bei denen Rückfragen oder Verneinungen implizit schon als unerwünscht gekennzeichnet sind, sondern dass aktiv zu Rückfragen ermutigt wird.

Falls Sie der Meinung sind, ein Azubi könne etwas nicht verstanden haben, können Sie ihn außerdem persönlich ansprechen. Allerdings immer mit einer klaren Ich-Botschaft. Zum Beispiel: „Ich habe das Gefühl, Du hast noch nicht so ganz verstanden, was ich von Dir will. Ist das richtig?“

5. Missverständnisse klären

Missverständnisse lassen sich nicht immer vermeiden. Selbst mit richtig viel sprachlicher Achtsamkeit können irgendwo zwischen Sender und Empfänger die unterschiedlichsten Störungen für ein Missverständnis sorgen. Genau das sollten Sie schlussendlich auch akzeptieren lernen.

Wichtig ist, dass beide Seiten etwas daraus lernen. Dass beide in Zukunft danach streben, es nicht wie in einem Teufelskreis immer wieder zu diesem Missverständnis kommen zu lassen, sondern vielmehr daran arbeiten, es beim nächsten Mal besser zu machen. Umso sinnvoller ist es, das Missverständnis zu klären. Gemeinsam zu analysieren, wie es dazu kam. Und dann als Team nach Vermeidungsstrategien zu suchen.

Fazit

In meinem heutigen Beitrag bin ich auf Missverständnisse am Arbeitsplatz eingegangen, die praktisch zum täglichen Brot irgendwie auch dazugehören. Mit sprachlicher Achtsamkeit und möglichst konkreten und expliziten Aussagen lässt sich vieles verhindern. Ich habe Ihnen außerdem fünf weitere praktische Tipps an die Hand gegeben, mit denen Sie Missverständnisse vermeiden können.

Nun interessiert mich Ihre Meinung! Gibt es bei Ihnen viele Missverständnisse zwischen Ausbildern und Azubis? Was sind die gängigsten Missverständnisse und wie steuern Sie diesen entgegen? Haben Sie ein paar der hier besprochenen Tipps schon ausprobiert? Wenn ja, mit welchem Ergebnis? Haben Sie vielleicht sogar noch bessere Tipps?

Ich freue mich, wenn wir über dieses spannende und wichtige Thema ins Gespräch kommen. Am einfachsten kann das auf meiner Facebook-Unternehmensseite passieren. Hier sind etliche Ausbilder und Azubis registriert, wodurch wir in meiner Community ein breit gestreutes Meinungsbild erhalten können. Besuchen Sie mich auf Facebook und lassen Sie mir gerne Ihr „Like“ da!

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