Am Ausbilder zweifeln - was tun, wenn Azubis aufbegehren?

Am Ausbilder zweifeln – was, wenn der Azubi aufbegehrt?

Am Ausbilder zweifeln

Am Ausbilder zweifeln, kann zwar durchaus gerechtfertigt sein, ist aber gerade für den Vorgesetzten eine ernsthafte Belastung.

Schließlich ist der Ausbilder gegenüber dem Azubi eine klare Respektperson, der entsprechend Folge zu leisten ist. Aber was, wenn der Azubi plötzlich doch aufbegehrt? Sollte ein Ausbilder sich grundsätzlich nichts gefallen lassen? Oder kommt es letzten Endes nicht doch auf den Ton an, der in diesen Fällen die Musik macht?

In meinem heutigen Beitrag möchte ich diese Fragen genauer durchleuchten und Ihnen zeigen, wie eine angemessene Reaktion aussieht, wenn Azubis am Ausbilder zweifeln.

Wenn Azubis am Ausbilder zweifeln

Schon in meinem Artikel über die acht Anzeichen, an denen Sie den perfekten Azubi erkennen, habe ich Ihnen erklärt, dass es unglaublich wertvoll ist, wenn die jungen Menschen kritisch mitdenken. Und dazu gehört eben auch, dass gewisse Dinge hinterfragt werden.

In vielen Betrieben haben sich über Jahre hinweg gewisse Nachlässigkeiten, suboptimale Arbeitsprozesse oder anderweitige Fehler eingeschlichen. Neuen Mitarbeitern wird knapp erklärt, dass das eben schon immer so war. Das muss reichen.

Dabei könnte es unglaublich viele Ressourcen sparen, wenn solche Dinge angepackt werden. Haben Sie also einen Mitarbeiter in Ihren Reihen, der den Status Quo grundsätzlich hinterfragt und nicht so hinnehmen will, so ist das erst einmal etwas Positives.

Problematisch wird aber sehr schnell, wenn der hinterfragte Status Quo sich auf den Ausbilder bezieht. So könnten Azubis am Ausbilder zweifeln, indem sie ihm oder ihr die Führungsqualitäten absprechen. Ein Schlag ins Gesicht für jeden, der sich mit so etwas Ungehörigem konfrontiert sieht.

Und dennoch möchte ich Ihnen dazu raten, impulsive Reaktionen zu vermeiden und erst einmal eine Nacht über den Vorwurf zu schlafen. Den Azubi in diesem Moment niederzubrüllen oder vor versammelter Mannschaft zurechtzuweisen, würde seine Anschuldigung nämlich in erster Instanz nur bestätigen. Als Ausbilder sind Sie schließlich Führungsperson. Sie haben somit eine Führungsrolle im Unternehmen inne. Und mit unangemessenen Reaktionen aus der Rolle zu fallen, spricht tatsächlich dafür, dass Sie dieser Rolle nicht gewachsen sind.

Das heißt natürlich nicht, dass Sie sich alles gefallen lassen müssen (und übrigens auch dürfen, denn als Ausbilder verlieren Sie durchaus auch den Respekt der anderen Azubis, wenn Sie eine entsprechend freche Bemerkung kommentarlos hinnehmen). Mehr dazu später im Beitrag!

Beziehen Sie klare Position, wenn Azubis am Ausbilder zweifeln!

Zunächst einmal sollten Sie versuchen, die Kritik als Impuls zu verstehen. Es sei denn natürlich, die Aussage des Azubis war seinem frechen Charakter geschuldet und zielte darauf ab, Sie bloßzustellen oder gar zu verletzen. Hiermit befasse ich mich später noch.

Gehen wir für den Moment aber davon aus, der Azubi trägt eine Kritik vor, die er argumentativ auch belegen kann. Wäre es dann nicht sehr interessant und auch wichtig für Sie, dass dies im zweiten Schritt geschieht? Nur so können Sie schließlich daran wachsen.

Gegebenenfalls könnten Sie klären (sofern die Kritik in einer Gruppensituation geäußert wird), ob auch andere Azubis das noch so sehen. Mit den betroffenen Personen ließe sich dann ein vertrauliches Gespräch suchen. Obschon Sie aufpassen sollten, dass nicht etwa ein „Alt gegen Jung“ entsteht, sondern auch wirklich inhaltlich valide Punkte hinter den Aussagen der Wortführer stecken.

Wenn Azubis am Ausbilder zweifeln

© olly, Fotolia.de

Und dann hören Sie sich im vertraulichen Gespräch die „Vorwürfe“ einfach mal so unbefangen wie möglich an. Möglicherweise können die Azubis, die am Ausbilder zweifeln, konkrete Fälle benennen. Möglicherweise gab es klare Ungerechtigkeiten, die Sie gänzlich unbeabsichtigt begangen haben. Vielleicht musste Azubi X immer die unliebsamen Arbeiten erledigen, während Azubi Y sich stets die Rosinen herauspicken durfte. Als Ausbilder kann man schon einmal den Überblick verlieren, gerade wenn Sie für mehr Azubis zuständig sind, als es das Ausbildungssystem in Deutschland vorsieht (vgl.: Wie viele Azubis pro Ausbilder in Deutschland erlaubt sind).

Eventuell führt diese Kritik somit zu einem Wachstum und allgemein höherer Zufriedenheit in Ihrer Abteilung. Vielleicht können Sie die Kritik nun aber auch als unangemessen entkräften. Wichtig ist, dass beide Seiten die Regeln des Feedback-Gebens einhalten (vgl.: Wie Sie Ihren Azubis richtig Feedback geben). Sie sollten außerdem immer nachfragen, wie der Azubi zu seiner Einschätzung gekommen ist und welche Vorschläge er oder sie selbst hätte.

Lassen Sie solche unangenehmen Gespräche nicht aus Bequemlichkeit unter den Tisch fallen. Konflikte, die unbesprochen im Raum verbleiben, haben das Potenzial, das Arbeitsklima nachhaltig zu vergiften!

Wie der Ausbilder reagieren sollte, wenn Azubis frech und aufmüpfig sind

Eine klare Abgrenzung ist zum Schluss aber noch zu treffen. Ist der Azubi nicht etwa mutig gewesen, etwas anzusprechen, was ihm (oder ihr) ernsthaft auf dem Herzen lag, und war die Intention dahinter nicht etwa, eine Verbesserung der Gesamtsituation herbeizuführen, sondern handelte es sich um eine Aufmüpfigkeit oder freches Verhalten, so sollten Sie alles bisher Geschriebene ignorieren.

Weder geht es dann darum, das „Feedback“ zu hinterfragen, noch darum, die Kritik auf fachlicher Ebene zu entkräften. Wenn Azubis am Ausbilder zweifeln, um ihn bloßzustellen oder verletzten zu wollen, dann ist auch der Ratschlag, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen, fehl am Platz.

Stattdessen sollten Sie sich sofort abgrenzen, da ansonsten die Gefahr besteht, dass Ihre Autorität als Ausbilder, Führungsperson und wichtige Schnittstelle im gesamten Betrieb massiv in Mitleidenschaft gezogen wird! Und spätestens dann wird dem frechen Azubi schon sehr bald der erste Nachahmer folgen und die jungen Menschen beginnen, Ihnen auf der Nase herumzutanzen.

Daher: Unangemessene Äußerungen sollten Sie sich nicht gefallen lassen, geschweige denn sie sogar zu ignorieren!

Aber: Es ist dennoch kein weiser Ratschlag, am frechen Azubi ein Exempel zu statuieren, indem Sie ihn niederschreien. Emotionale Reaktionen – egal, in welcher Form – wirken immer unseriös, hilflos und schlichtweg nicht der souveränen Führungsrolle entsprechend, die ein Ausbilder bekleiden sollte.

Machen Sie dem Azubi stattdessen klar, dass einerseits Kritik Erfahrung und Fachwissen voraussetzt und andererseits ein respektvoller Ton erwartet wird, weil ansonsten arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen. Bei sich häufenden Respektlosigkeiten ist es nämlich möglich, zunächst eine Abmahnung auszusprechen und dem Azubi dann selbst nach Ablauf der Probezeit noch zu kündigen.

Zeigen Sie also, dass Sie am längeren Hebel sind, ohne Ihre Machtsituation nun voll auszuspielen oder den Azubi Ihrerseits vorzuführen, weshalb Sie anstelle einer emotionalen Reaktion kühl darauf verweisen sollten, was dem Azubi blüht, wenn so etwas noch einmal vorkommen sollte.

Fazit

Im heutigen Blogbeitrag habe ich Ihnen gezeigt, wie die Reaktion ausfallen sollte, wenn Azubis am Ausbilder zweifeln. Im Endeffekt kommt es stark darauf an, ob der Azubi echte Probleme hat oder ob er aus Aufmüpfigkeit oder einer Laune heraus verbale Entgleisungen von sich gibt. Vielleicht auch, um seine / ihre Grenzen auszutesten. Vergessen Sie nie, dass Azubis noch sehr junge Menschen sind, bei denen die Pubertät mitunter noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Und wenn doch, dann ist es noch nicht allzu lange her.

Das A und O ist also ein respektvoller gegenseitiger Umgang miteinander. Und da sind Sie als Ausbilder nicht nur das leuchtende Beispiel, an dem sich ein Azubi orientieren können muss. Sondern Sie sind gleichzeitig auch die „Ordnungspolizei“, die dieses respektvolle Miteinander bei den leisesten Abweichungen wieder durchsetzen muss.

Haben Sie schon einmal Probleme mit einem oder mehreren Azubis gehabt? Gab es Azubis, die offen heraus an Ihnen als Ausbilder gezweifelt haben? Und wenn ja, wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Erfahrung(en) auf meiner Facebook-Seite mitteilen würden. Dort können Sie wahlweise einen Beitrag an meiner Pinnwand eröffnen oder mir eine private Nachricht schicken.
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Ich freue mich über Ihre Rückmeldung und wünsche Ihnen weiterhin eine tolle Zeit mit Ihren Auszubildenden!

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