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Azubis Duzen oder Siezen? Das sollten Ausbilder dabei bedenken!

Die Frage, ob man Azubis Duzen oder Siezen sollte, beschäftigt jeden Ausbilder früher oder später einmal.

Einen Königsweg gibt es dabei wahrlich nicht, zumal viele Mischformen existieren. Von Unternehmen, in denen nur der Ausbilder das Du benutzt, während die Azubis den Ausbilder weiterhin mit Sie ansprechen, bis hin zu Betrieben, in denen das Siezen auf der Tagesordnung steht, allerdings die Vornamen bei der Ansprache benutzt werden.

In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich einerseits zeigen, warum bestimmte Konstellationen wenig vorteilhaft sind. Andererseits möchte ich gerne aufzeigen, dass die Wahl der im Betrieb gültigen Anrede keinesfalls dem Zufall zu überlassen ist, sondern weise gewählt werden sollte. Und zwar unter Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile, die mit den unterschiedlichen Ansprachen einhergehen.

Azubis Duzen oder Siezen? Auf die Augenhöhe kommt es an!

Natürlich ist es so, dass der Ausbilder als Vorgesetzter des Azubis eine Respektsperson ist. Allerdings funktioniert Respekt nur dann, wenn er auch auf Gegenseitigkeit beruht. Dabei gibt es einige Ausbildungsbetriebe, in denen sich die eingangs angesprochene Vermischung aus Duzen und Siezen eingeschlichen hat. In der Praxis spricht der Ausbilder seine Azubis mit dem Vornamen oder dem persönlichen Du an. Die Azubis hingegen sprechen ihren Ausbilder mit dem Nachnamen oder dem respektvollen Sie an.

Oft schleicht sich diese Mischform aus Unsicherheit heraus ein. Beispielsweise, wenn der Ausbilder beim Kennenlernen seine neuen Azubis nicht etwa fragt, wie diese gerne angesprochen werden, oder über die Gepflogenheiten im Betrieb aufklärt, sondern stattdessen eine Vorstellung wie „Hallo, ich bin der Ausbilder!“ benutzt.

Zumeist gebrauchen Azubis dann ganz natürlich das „Sie“. Immerhin gilt es in vielerlei Kreisen heute noch als Affront, das Gegenüber ungefragt zu duzen. Nach wie vor gilt: Wer sein Gegenüber mit Sie anredet, zeigt sich respektvoll.

Letztlich kann auch ein beidseitig verwendetes Du mit viel gegenseitigem Respekt verbunden sein. Wichtig ist in erster Linie, dass die Augenhöhe stimmt. Wer den Azubi duzt, umgekehrt aber das Sie einfordert, agiert nicht auf gleicher Höhe, sondern stellt sich selbst eine Stufe höher. Und genau das wiederum ist das Gegenteil von Respekt.

Du vs. Sie – eine Frage des Führungsstils?

In mehreren Beiträgen in meinem Blog habe ich mich schon mit den unterschiedlichsten Führungsstilen eines Ausbilders befasst. Unter anderem habe ich die drei klassischen Führungsstile in der Ausbildung zusammengestellt, Management-by-Techniken in der Ausbildung bewertet, und neue Modelle wie Design Thinking besprochen.

In diesem Zusammenhang könnte sich die Frage aufdrängen, ob das Du und das Sie vielleicht vom Führungsstil abhängen. Ganz im Sinne davon, dass ein strenger Ausbilder mit engen Zügeln möglicherweise das Sie bevorzugen könnte, während der klassische Kumpeltyp auf das Du setzt.

Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es gewiss nicht. Fakt ist aber, dass es für ein gutes und vertrautes Verhältnis mehr braucht als den Switch vom Sie zum Du. Oder anders ausgedrückt: Es ist stark zu bezweifeln, dass Ausbilder, die ihre Schützlinge duzen, automatisch auch ein besseres Verhältnis zu ihnen haben. Im Umkehrschluss sind Arbeitsbeziehungen, in denen das Sie an der Tagesordnung nicht automatisch distanziert oder gar schlecht.

Azubis Duzen oder Siezen - eine Frage des Führungsstils
© Sergey Nivens, Fotolia.de

Oft entscheidet die Branche über die Wahl der Ansprechformel

Es gibt gewisse Branchen, in denen das Du, das von vielen Menschen als zu locker oder gar absolut unangemessen angesehen wird, sich sowieso ausschließt. Wer beispielsweise eine Ausbildung in einer Bank macht, jeden Tag in Anzug und Krawatte erscheinen muss und gewisse rhetorische Gepflogenheiten einhalten muss, der würde schließlich vollumfänglich aus der Rolle fallen, wenn er einerseits höflich und respektvoll auf Sie-Ebene mit den Kunden umgeht, im nächsten Moment aber den Kollegen duzt. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel im Hotelgewerbe oder in der Versicherungsbranche.

Azubis haben beim Duzen oder Siezen auch ein Wörtchen mitzureden

In all den Branchen, wo das freundschaftliche Du grundsätzlich möglich wäre, sollten Ausbilder es dennoch – auch, wenn es zur Firmenphilosophie gehört – nicht ungefragt anbringen. Jeder neue Azubi sollte beim Eintritt ins Unternehmen die Möglichkeit haben, selbst Stellung dazu nehmen zu dürfen, welche Anrede er oder sie bevorzugt.

Beispielsweise könnte ein Ausbilder, in dessen Betrieb das Du an der Tagesordnung ist, kurz abklären, ob das für alle Anwesenden in Ordnung ist. Dies ist auch ein Zeichen der Wertschätzung, was wiederum zu den Aspekten gehört, die Azubis motivieren.

Fehlen solche „Firmenregeln“ oder gibt es im Unternehmen sowohl das Du als auch das Sie, sollte in der Kennenlernrunde gemeinsam entschieden werden, wie es zwischen Azubis und Ausbilder zukünftig gehandhabt werden soll.

Das „Du“ bietet ausschließlich der Ausbilder an!

Dass Azubis ein generelles Mitspracherecht haben sollten und auch die Möglichkeit bekommen müssen, zu artikulieren, dass sie lieber gesiezt werden möchten, heißt aber noch lange nicht, dass der Azubi seinerseits das Du anbieten darf. Im Gegenteil. Genau das gilt nämlich fast überall als großer Fauxpas.

Im Allgemeinen empfehle ich Ihnen deshalb, nicht nur im Berufsalltag, sondern auch im Privatleben die folgenden nicht in Stein gemeißelten Regeln umzusetzen:

  • Unabhängig von Alter und Geschlecht bietet immer der Vorgesetzte dem Mitarbeiter das persönliche Du an
  • Sind die Mitarbeiter gleichrangig, bieten unabhängig immer die Frauen den Männern das Du an
  • Begegnen sich Mann und Frau wiederum privat, bietet der/die Ältere von beiden das Du zuerst an
  • Sind die Mitarbeiter gleichrangig und vom gleichen Geschlecht, bietet der ältere Mitarbeiter dem jüngeren Mitarbeiter das Du an

Natürlich muss jemand, der von diesen bekannten Knigge-Benimmregeln abweicht, nicht zwangsläufig eine gesellschaftlich Ächtung oder anderweitige Repressalien befürchten. Wer sich an diese Richtlinien aber hält, bewegt sich sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben zumindest auf Nummer sicher und vermeidet etwaige Fettnäpfchen.

Azubis Duzen oder Siezen? Das Fazit!

In meinem heutigen Blogbeitrag habe ich Ihnen gezeigt, was ein Ausbilder bedenken sollte, wenn es um die Frage geht, ob die neuen Azubis geduzt oder gesiezt werden sollen. Wichtig ist, dass sich Ausbilder und Azubis auf Augenhöhe begegnen. Ist das der Fall, kann auch das Sie freundschaftlich-vertraut und auch das Du höflich-respektvoll sein.

Wie verhält es sich bei Ihnen im Betrieb? Duzen sich alle Mitarbeiter nebst Azubis? Wird das Sie gepflegt? Oder existieren beide Formen – und wenn ja, in welchen Situationen wird das eine und das andere eingesetzt?

Ich freue mich, wenn wir über dieses Thema ins Gespräch kommen! Ein lockerer Austausch darüber kann gerne auf meiner Facebook-Seite erfolgen, wo wir gemeinsam mit zahlreichen Ausbildern und Azubis diskutieren können. Ich freue mich, wenn Sie Teil meiner Community dort werden und bedanke mich für das Lesen diese Beitrags!

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